3+1 Projekte

Klangfalter e.V. hilft in Schulen und Kindergärten

Drei Projekte hat Petra Gebauer in Frankfurt/Oder und Umgebung schon realisiert und eines noch im Hinterkopf. Die Diplom-Bauingenieurin spricht dabei nicht von irgendwelchen Bauprojekten, sondern von Projekten, die ihr Verein Klangfalter e.V. in Schulen und Kindergärten betreut. Es geht um das Horchtraining nach Professor Dr. Alfred Tomatis. In Frankfurt/Oder gibt es an der Astrid-Lindgren-Schule zwei Klassen, die regelmäßig hören, im evangelischen Kindergarten St. Georg eine Gruppe der Vorschulkinder und in der Grundschule Dolgelin/Brandenburg, 20 Kilometer nördlich von Frankfurt/Oder, einen speziellen Raum, in dem „gehorcht“ wird.

 

2010 absolvierte die dreifache Mutter bei Jozef Vervoort im belgischen Sint-Truiden eine Ausbildung zur APP-Therapeutin und gründete gleichzeitig daheim den Verein Klangfalter e.V. Den Namen des „Vereins zur Förderung der körperlichen, psychischen und geistigen Entwicklung“ erklärt sie so: „Wir arbeiten mit Klängen und möchten den Kindern und Erwachsenen helfen, die zu uns kommen. So wie aus einer Raupe ein wunderschöner Schmetterling wird, so möchten wir dazu beitragen, dass sich die Menschen entfalten und sich ihre Blockaden auflösen.“

 

Stützen im Verein Klangfalter (von links): Roswitha Gützlaff, Petra Gebauer, Sabine Wolter


Anderen Menschen zu helfen ist für Petra Gebauer sehr wichtig. Und sie weiß, dass sie es nicht alleine schaffen kann, sondern auf die vielen Freunde und Bekannten im Verein angewiesen ist. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der im gleichen Haus ansässigen Ärztin Sabine Wolter – sie ist Gründungsmitglied des Vereins – ist für die Klienten sehr effektiv.

 

Überhaupt: Klangfalter sei wie eine große Familie, versichert die Initiatorin. Der Sonderpädagoge für Hörgeschädigte, Lothar Grahl, überprüft die auditive Wahrnehmung und kann gegebenenfalls eine entsprechende Störung feststellen. Eine Mitarbeiterin der Gronefelder Werkstätten, die täglich mit mehrfach schwerstbehinderten Menschen arbeitet, verbringt viel Freizeit für den Verein. Eine Fachfrau für Baby- und Kindermassage ist dabei und eine Sopranistin, die bei den therapeutischen Klangübungen behilflich ist. Die Zahl der Helfer ist groß und immer präsent. Auch auf Jozef Vervoort kann sie sich verlassen. Er hat sie ermuntert, den Verein zu gründen und die Projektarbeit zu betreiben. Nicht zu vergessen die Mitarbeiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, die die Arbeit begleiten.

 

Lothar Grahl, Sonderpädagoge für Hörgeschädigte, testet die auditive Wahrnehmung


Das Horchtraining an den beiden Schulen und im Kindergarten ist für alle Beteiligten kostenlos. Die technische Einrichtung, die aus einem Brain Activator, einem Alesisgerät, ausreichend Kopfhörern und Verteilleisten besteht, wird durch Spenden finanziert. Zu den Hauptsponsoren zählen die Sparkasse, die Sparda Bank, die Lutherstiftung, viele gewerbliche und private Spender.

 

Petra Gebauer glaubt, dass viel guter Wille und eine nötige Portion Entschlossenheit reichen, solche Projekte auf die Beine zu stellen und am Leben zu erhalten. Sie möchte anderen APP-Therapeuten Mut zusprechen, ähnliche Aktionen zu starten.

 

Die Einrichtungen für die ersten Projekte waren schnell gefunden. Der Leiterin des Kindergartens bot Petra Gebauer an, die Vorschulkinder im Jahr vor der Einschulung  am Horchtraining teilnehmen zu lassen. Gemeinsam mit einer Gruppe um Professor Dr. Dr. Harald Walach von der Universität Frankfurt/Oder reisten sie nach Belgien und ließen sich die Therapie im Zentrum Atlantis näher bringen. Von der Astrid-Lindgren-Schule wurde die Initiatorin angesprochen, weil ein Schüler durch die Therapie in Belgien große Fortschritte gemacht hatte. Und die Direktorin der Grundschule in Dolgelin war von einem Vortrag von Jozef in Frankfurt an der Oder sehr angetan. Mit großem Engagement sind die Lehrerinnen und Erzieherinnen bei der Sache, begleiten das Horchen in ihrer Freizeit und freuen sich über Fortschritte der Kinder.

 

Und wie steht es um das vierte Projekt, dass die dreifache Mutter noch im Hinterkopf hat? Ihr größter Wunsch wäre es, die Methode auf einer Intensivstation für Frühgeborene einzuführen. Sie selbst brachte einen Jungen in der 25. Schwangerschaftswoche mit 675 Gramm zur Welt. Der Oberarzt bat sie vor 12 Jahren, etwas auf einen Kassettenrekorder zu singen und zu sprechen, damit man es dem Kind nachts im Inkubator vorspielen könne, wenn die Mutter nicht da sei. Von der Tomatis-Therapie war dem Arzt damals nichts bekannt, beobachtete aber, dass es den kleinen Patienten besser ging, wenn sie die Stimme der Mutter hörten.

 

Gemeinsam mit Vertrauten im Verein Klangfalter, Professor Walach und Jozef Vervoort ist Petra Gebauer davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß sie um die Ängste und Sorgen der Eltern von Frühgeborenen. Die Tomatis-Therapie ist ein ideales Begleitprogramm und eine wichtige Hilfe beim Start ins Leben. Ähnlich dem schönen Schmetterling, der sich aus der Raupe entfaltet.

 

Zurück