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Hören • Bewegen • Tomatis-Training
Ein erfolgreiches Zusammenspiel

 

Was haben Hören und Bewegung miteinander zu tun?

Was haben Bewegung und Tomatis-Therapie miteinander zu tun?

Um diese Zusammenhänge zu erklären, ist es nötig, die Funktion des Gehörs zu verstehen. Denn der Mensch verdankt seinen Ohren weit mehr als „nur“ die akustische Wahrnehmung seiner Außenwelt.

 

Das Innenohr

Das Innenohr mit seiner Lage tief im Inneren des Schädelknochens wird sehr früh während der Schwangerschaft angelegt. Ungefähr im 5. Schwangerschaftsmonat ist das menschliche Innenohr komplett fertig; es wächst danach nicht mehr, und es kommt dann auch nichts mehr hinzu. Auch ist es zu diesem Zeitpunkt mit seinen Nerven mit dem Gehirn verbunden. Funktionell betrachtet besteht das Innenohr aus zwei Teilen. Der eine Teil dient zum Hören und wird Hörschnecke, oder Cochlea, genannt. Der andere Teil des Innenohres ist das Gleichgewichtsorgan (auch Vestibularorgan genannt, oder vestibuläres System, wenn der mit ihm zusammenhängenden Teil des Nervensystems dazugerechnet wird). Es ist in jede Bewegung des Menschen eingeschaltet. Dieser „Bewegungsteil“ des Ohres steht im Zentrum der nachfolgenden Betrachtungen.
Während der Entwicklung des Innenohres wird der „Hörteil“ erst sekundär aufgebaut und fertiggestellt; dieser Teil dient dem Hören, egal ob Sprache, Musik oder Lärm. Zuerst wird das Gleichgewichtsorgan aufgebaut und in Funktion versetzt; es ist das erste funktionsfähige Sinnesorgan des Menschen. Offensichtlich ist das Gleichgewichtsorgan für die embryonale Entwicklung von herausragender Bedeutung, denn, wenn bei der Entwicklung im Mutterleib die Cochlea nicht oder nur unvollständig angelegt ist, wird das Kind taub oder schwerhörig sein; wenn jedoch der Gleichgewichtsteil des Innenohres nicht arbeiten kann, stirbt das Kind bereits im Mutterleib.
 

Das Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan vermittelt zwei unterschiedliche Informationen:
  1. Wo ist oben und wo ist unten; oder genauer, in welche Richtung wirkt die Schwerkraft?
  2. Die Änderungen der Geschwindigkeit (jedes schneller und langsamer Werden). Dazu gibt es im vestibulären Teil des Innenohres fünf unterschiedlichen Strukturen. Zwei dienen dem Erkennen von Bewegungsänderungen, in den Richtungen nach vorne und hinten, rechts und links, oben und unten. Diese beiden Strukturen heißen Utriculus und Sacculus. Die anderen drei Strukturen werden als Bogengänge bezeichnet. Dabei handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte Ringe, die senkrecht zueinander stehen. Sie reagieren auf alle Drehbewegungen um die drei Raumachsen.
Da der Kopf, mit dem Innenohr darinnen, über Gelenke mit dem Körper verbunden ist, müssen zusätzlich zu dem „Beschleunigungsmelder“ Gleichgewichtsorgan noch weitere Sensoren vorhanden sein, damit der Mensch tatsächlich fähig ist, sich aufzurichten und zu laufen. Diese Sensoren befinden sich in den Gelenken und Muskeln und melden die jeweilige Gelenkstellung und Muskelspannung an das Gehirn. Das Gleichgewichtsorgan hat zentrale Bedeutung im Zusammenspiel mit dem Gehirn und den Gelenk- und Muskelsensoren; alle zusammen bilden ein Netzwerk, dessen koordiniertes Arbeiten für jegliche Bewegung notwendig ist.
Diese zentrale Stellung des Gleichgewichtsorgans macht verständlich, weshalb es für das menschliche Leben und die menschliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist.
 

Lehrzeit im Mutterleib

Ein neugeborenes Kind kann weder laufen noch sprechen. Es verfügt lediglich über die Fähigkeit, es zu lernen. Entwicklung bedeutet nicht nur Wachsen und Größerwerden, sondern auch permanentes Lernen. Die beiden bedingen sich gegenseitig, wie am Beispiel des Laufenlernens sichtbar wird: Jedes Mal, wenn ein Kind sich hochzieht um zu stehen, ist das ein Reiz für die Muskulatur, stärker und kräftiger zu werden. Gleichzeitig ist das eine unverzichtbare Stimulation für das Gleichgewichtsorgan und das Gehirn. Diese lernen mit jedem neuen Versuch, die Bewegungen immer besser zu beherrschen. An zentraler Stelle in diesen Prozess eingebunden ist das Gleichgewichtssystem.
Wie bereits beschrieben, wird das Gleichgewichtsorgan in der frühen Schwangerschaft gebildet. In dieser Zeit sind es insbesondere drei Reize, die das Kind für die Entwicklung dieses Organs benötigt: 1) Die Bewegungen der Mutter, die im Mutterleib auftretenden, 2) die tieffrequenten Töne und 3) alles Rhythmische; wobei tieffrequente Töne und Rhythmus fließend ineinander übergehen. Der rhythmische Herzschlag der Mutter von z. B. 60 Schlägen pro Minute entspricht der tiefen Frequenz von einem Hertz.
Alle diese Faktoren sind für die Entwicklung des Gleichgewichtsorgans und damit für die Entwicklung eines Kindes unbedingt notwendig. Nachfolgend ein paar Beispiele der nachgeburtlichen Entwicklung von Kindern, deren „Input“ vermindert war.
  • Man findet bei Frühgeborenen (= zu kurze Lehrzeit im Mutterleib) sehr viel häufiger als sonst Störungen und Verzögerungen in der Entwicklung, meistens die Motorik und die Sprache betreffend.
  • Ebenfalls bekannt ist eine verzögerte motorische Entwicklung des Kindes, wenn die Mutter während der Schwangerschaft längere Zeit liegen mußte (= zu geringe Stimulation des Gleichgewichtsorgans).
  • Ferner gibt es deutliche Hinweise, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft an Herzrhythmusstörungen gelitten hatten (= Mangel an rhythmischer Stimulation, statt dessen „Erlernen“ einer A-Rhythmie, einer Unregelmäßigkeit), regelmäßig Zeichen einer gestörten frühkindlichen Entwicklung aufwiesen. Ein großer Teil dieser Kinder zeigte auch Auffälligkeiten beim Spracherwerb[1]. An dieser Stelle zeigt sich deutlich die Verbindung zwischen Bewegung und Kommunikation. Das Bindeglied heißt Rhythmus; jede Sprache hat ihren eigenen Sprach-Rhythmus.
Störungen und Entwicklungsverzögerungen der Motorik gibt es natürlich nicht nur infolge von Problemen während der Schwangerschaft, sondern auch danach. Ein Beispiel sind Probleme während der Geburt. Möglicherweise geht durch Geburtskomplikationen ein mehr oder weniger großer Teil dessen, was das Kind während der Schwangerschaft gelernt hat, verloren oder wird vergessen. Damit fehlt die Basis für das Weiterlernen, denn das baut immer auf den vorhandenen Erfahrungen auf.
 

Tiefe Töne locken zur Bewegung

Offensichtlich gibt es enge Verbindungen zwischen tieffrequenten Erscheinungen (Töne, Klänge, Rhythmus) und Bewegung. Ein Indiz für diesen Zusammenhang liefern Tanz- oder Marschmusik. Warum fangen Menschen – oft unbewusst – an, sich zu bewegen, wenn Musik erklingt? Es liegt am tieffrequenten Rhythmus.

Tomatis erforschte die unterschiedlichen Wirkungen von Tönen auf das Verhalten und das Empfinden von Menschen. Er entdeckte:

  • Hohe Töne und Frequenzen regen an, sie machen wach und aktiv, sie helfen, aufmerksam und konzentriert zu sein.
  • Tiefe Töne wirken eher ermüdend, verursachen geistige Trägheit und machen denkfaul; dafür stimulieren sie stark das vestibuläre System und locken zum Bewegen.

Tomatis zog daraus die folgende therapeutische Schlussfolgerung:

 

Mit Rhythmus und tiefen Frequenzen lassen sich die motorischen Fähigkeiten stimulieren und verbessern!

 

Diese Beobachtung wird von Eltern immer wieder bestätigt: Nach einer Weile der akustischen Stimulation mit der Betonung der tiefen Frequenzen, lernen Kinder, Fahrrad ohne Stützräder zu fahren, sie beginnen, im Wechselschritt die Treppe zu benutzen, sie trauen sich plötzlich, auf Spielgeräten herumzuturnen usw. Die Bewegungen werden durch die Tomatis-Therapie auch gezielter und harmonischer, denn die Kinder können ihre Kraft besser einschätzen und einsetzen.

Aber nicht nur die grobmotorischen Fähigkeiten verbessern sich, sondern auch die feinmotorischen: Die Schrift wird bspw. schöner, leichter lesbar und das Ausmalen von Figuren gelingt, ohne über die Ränder zu malen.

Viele Kinder leiden an Schwächen oder Entwicklungsverzögerungen bei der Bewegung, der Motorik und der Körperhaltung. Dazu gehören, wie bereits oben erwähnt, Frühgeborene und Kinder, deren Geburt schwierig war und die eventuell zu Schäden bei den Kindern geführt hat, aber auch Kinder mit angeborenen Defekten (z. B. Kinder mit Down-Syndrom, die regelmäßig einen erniedrigten Muskeltonus haben) usw. Natürlich ist der Erfolg der Tomatis-Therapie bei allen diesen Kindern unterschiedlich, wie sich auch die Umstände der einzelnen Fälle immer unterscheiden. Aber alle Behandelten profitieren, manche davon in einem Ausmaß, das an Wunder erinnert.

 

Übungsfelder für Bewegung schaffen

Ein Kind mit Sprachproblemen wird kaum von einer Tomatis-Therapie profitieren, wenn niemand mit ihm spricht (Sprache von einem Vorbild hören), und es selbst nicht spricht (Sprache aktiv imitieren, selbst üben). Vergleichbares gilt für die hier behandelten „motorischen“ Probleme. Wenn ein Kind keine Möglichkeit bekommt, sich ausreichend zu bewegen, dann wird auch die Tomatis-Therapie wenig ausrichten. Darum ist es so wichtig, dass das Bewegen der Kinder von allen Seiten und mit allen Mitteln gefördert wird. Das müssen in den meisten Fällen keine teuren Spezialbehandlungen sein, wichtiger ist das regelmäßige Wiederholen von Bewegungsabläufen. Dann sind zu Fuß gehen oder Rad anstelle von Auto zu fahren, ein Garten zum Toben mit Bäumen zum Klettern, ein Trampolin, Geschicklichkeitsspiele, Ballspiele, kurz alles, was die Kinder in Bewegung bringt, ungemein förderlich.
 

Das „therapeutische Pferd“

Eine gute Möglichkeit, während der Tomatis-Therapie einen Teil dieser vielfältigen Bewegungsmuster zu imitieren und damit das Gleichgewichtsorgan zu stimulieren, ist der „Panasonic Core Muscle Trainer“ („Rumpfmuskel-Trainer“ könnte die deutsche Übersetzung lauten). Das Gerät simuliert den Ritt auf einem Pferd und trainiert dabei die Muskeln, die den Körper aufrecht halten. Wichtiger als dieses Muskeltraining ist aus Sicht der Tomatis-Therapie die Stimulation des Gleichgewichtsorgans, denn der „Reiter“ muß ständig die Bewegungen des „Pferdes“ ausgleichen, damit er nicht aus dem Sattel fällt.
Während dieses Reitens erhalten die „Reiter“ ein spezielles „motorisches“ Tomatis-Horchtraining, dessen Basis Musik mit Betonung der tiefen Frequenzen ist.

Von dieser Kombination aus Hören und Bewegung profitieren Kinder mit motorischen Defiziten in erstaunlicher Weise. Ihre Körperbeherrschung verbessert sich erheblich. Der folgende Link vermittelt einen Eindruck dieser Therapie.

Selbstverständlich ersetzt dieses Gerät nicht die vielen Aktivitäten, die während des Spielens, sozusagen nebenbei, das Gleichgewichtssystem der Kinder intensiv stimulieren.

 

„Liegefahrrad“ Giger-Gerät

Eine sehr wichtige Bewegungsform, die Kinder in ihrer Entwicklung nicht überspringen dürfen, ist das Krabbeln. Dabei wird auf intensive Weise der Aufbau der Verbindungen zwischen linker und rechter Gehirnhälfte angeregt. Nur dank dieser Verbindungen kann die eine Hemisphäre wissen, was die andere tut. Kinder, die nicht gekrabbelt sind, haben regelmäßig Schwierigkeiten bei der Koordination beider Hände, z.B. wenn es gilt, einen Faden durch ein Nadelöhr zu ziehen. Außerdem fällt es ihnen schwer, Arme oder Beine über die Mitte hinaus auf die andere Körperseite zu bewegen.
Um diese rechts-links Verbindung auch während der Tomatis-Therapie so intensiv wie nur möglich zu stimulieren, gibt es bei Atlantis-vzw und Mozart-Brain-Lab die Giger-Geräte. Sie werden wie eine Art Liegefahrrad benutzt, wobei jedoch diese alternierende Kurbelbewegung gleichzeitig sowohl von den Beinen, als auch von den Armen gefordert ist. Da hierbei die Geschwindigkeiten der Arm- und Beinbewegungen unterschiedlich sind, wird zusätzlich eine Art oben-unten Wahrnehmung trainiert, also das unabhängige Bewegen von Armen und Beinen. Einen Eindruck davon vermittelt der Video-Clip.

 


[1] Günter Clauser: Die vorgeburtliche Entstehung der Sprache als anthropologisches Problem